DivercityTalk01: Demand Records

Es ist bereits eine Stunde vergangen, und ich warte immer noch. So habe ich wenigstens nochmals ein wenig Zeit, um mir über die Interviewfragen Gedanken zu machen. Wenige Minuten nach 20 Uhr klingelt dann endlich die Türklingel. Carlos Lehmann, besser bekannt als Keen, ist endlich da. Mit kaltem Bier für die spätere DJ-Session im Gepäck, ist seine Verspätung schnell wieder vergessen. Nach einem kurzen Schwatz über das Alltägliche, schalte ich unbemerkt die Aufnahmefunktion meines Handys an und lenke die Themen Richtung Drum’n’Bass und Carlos‘ schweizer Vorzeigelabel Demand Records. Letzteres soll auch den Hauptteil der Episode 1 der neuen Interview-Reihe „DivercityTalk“ ausmachen.
.
-Seit fast fünf Jahren schwirrt das Label Demand Records in der Drum’n’Bass Szene herum. Du bist seit dem Neustart von Mute.ch auch als Partyveranstalter/Promoter aktiv… Was war davor?-

Wie bei den meisten Promotern, findet man auch bei mir die Anfänge im DJing. Damals noch zu dritt unter dem Namen Keen Demand unterwegs, durften wir an einigen Parties spielen und haben regelmässig den KeenCast (Podcast) veröffentlicht.
Das Drum’n’Bass Partyangebot war 2008 jedoch kleiner als heute. Mute.ch deckte die liquide und das Rohstofflager, die harte Schiene, ab. Dazwischen gab es eine grosse Bandbreite an Künstlern, die man vielleicht höchstens mal in der Roten Fabrik organisiert von Harddrums in Zürich sah. Wir wollten das ändern und veranstalteten die erste „Regeneration“-Nacht im Provitreff, einfach um mal in das Partyorganisieren reinzuschnuppern.

-Anscheinend mit Erfolg, denn aus dem Provitreff seid ihr relativ bald ins Moods umgezogen.-

Naja, das Provitreff ist ein kleine alternative Location. Aber nach den anfänglich sehr familiären Parties wollten wir einen Schritt vorwärts gehen und unsere Feiern einem etwas grösseren Publikum zugänglich machen. Dank der grösseren Location, wurde das Buchen von internationalen DJs ermöglicht. So konnten wir mit Icicle und Spor eher jüngere und für uns interessante Acts in die Limmatstadt holen.

-Spor ins Moods?!-

(Carlos grinst)
Kaum vorstellbar, aber ja, so war es. Damals war er noch sehr frisch, aber trotzdem in aller Munde. Aber wir wussten trotzdem nicht, ob er überhaupt ein Publikum anzieht. Wir fanden seinen Sound aber sehr spannend und wollten es einfach probieren. In den darauffolgenden Jahren wurde er zum Dauergast im Rohstofflager und später zum Superstar Feed Me.

-Für zwei Jahre war es dann relativ ruhig, bis du dich dann mit Demand Records zurückgemeldet hast.-

Genau. Das Veranstalten von Parties war dann vorerst nicht mehr Priorität. Wir planten während dieser Zeit die Gründung des Labels. Im Februar 2011 kam der erste Release DMND001 raus, mit dem Track „BTK – Things I Do“ und dessen Remix durch Spectrasoul. Im Exil haben wir dann auch eine Release-Party mit den beiden organisiert.

-Du redest immer von „wir“. Wer sind „wir“?-

Wir führen das Label zu zweit. Andreas Muoth und ich. Andi ist meine stetige Ansprechperson. Er ist auch grafisch stark und hat einige der Designs im Katalog erstellt. Ohne ihn würde das ganze nicht funktionieren, dafür bin ich ihm unendlich dankbar! Fast alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Ich kümmere mich dann vor allem um das organisatorische, spreche mit den Artists, führe Statistiken oder stelle Verträge aus.

-Wie kam die Idee zum eigenen Label?-

Teilweise aus Frustration, dass Releases einfach eine Ewigkeit dauerten, bis sie zum Verkauf angeboten wurden. Natürlich aber auch der Fakt, dass viel gute Musik bis heute seinen Weg bis zur offiziellen Veröffentlichung nicht gefunden hat.
Wir fühlten aber auch immer, dass Drum & Bass einen guten Platz in der Schweiz hat. Jedoch ist es nicht mit einem internationalen Label vertreten, dies wollten wir ändern.
Die globale Drum & Bass Szene ist klein. Und wenn man sich mal damit auseinander setzt kriegt man Einiges mit. Es gab immer mal wieder negative Vorfälle in Zusammenhang mit Transparenz und Geld.
Wir wollten einen Gegenpol zu dem schaffen. Ein Label sollte fördernd und nicht behindernd sein. Es soll einem Künstler die Möglichkeit geben, sich vollkommen auf die Musik zu konzentrieren. Hier setzen wir mit Demand an.

-Und wie erreicht ihr das?-

Wir arbeiten sehr strukturiert, transparent und natürlich mit enorm viel Leidenschaft. Wir möchten die Szene unterstützen und weiterbringen und ich denke, dass unsere Künstler dies schätzen.

Das Interview wird durch einen Lacher von John unterbrochen, der übrigens auch anwesend ist. Er liest gerade einen Artikel über IDM auf Vice.

Wir fahren fort.

-Demand Records als Sprungbrett für Künstler zu grösseren Labels.-

Die Aussage ist sicherlich nicht ganz unberechtigt. In der Vergangenheit, sowie auch heutzutage, kommt es immer wieder vor, dass Künstler, die bei uns veröffentlichten, anschliessend ihren Weg zu einem grösseren Label fanden. LSB ist da ein Beispiel. Lieferten wir im 2011 doch seine zweite Solo-Single überhaupt, kann man heute bestaunen wo seine Musik überall veröffentlicht wurde. Hospital, Shogun Audio oder Soul:R sind einige der namhaften Labels.

-Habt ihr Ambitionen selbst mal zu den ganz Grossen zu gehören?-

Wenn jemand mit Leidenschaft dabei ist, will man auch erfolgreich sein. Das liegt in der Natur des Menschen. Wir bleiben jedoch realistisch. Am Ende des Tages ist es ein Hobby, das wir neben unserer Vollzeitanstellung betreiben.

-Was war der letzte Release?-

Der letzte Release kam von den beiden in Basel wohnhaften QBig & Zenith B. Wir hatten schon längere Zeit regelmässigen Kontakt und wir merkten schon damals, dass wir uns, sowohl menschlich wie auch musikalisch, auf einer ähnlichen Wellenlänge befanden. Mitte letzten Jahres schickten Sie mir den Titeltrack „Enkidu“, mit welchem sie mich einfach komplett umhauten. Originalität ist uns sehr wichtig, und die Jungs liefern das einfach. Im August diesen Jahres releasten wir dann die Enkidu EP – DMND027.

-Zukünftiger Release?-

Wir stecken mitten in den Vorbereitungen für zwei neue Serien „Requisites“ und „Selects“.
Bei „Requisites“ wird das Vinyl im Zentrum stehen. Für die meisten Drum & Bass Künstler, und auch uns selbst, geht nichts über das Gefühl, wenn ein Werk am Ende einen Platz auf dem Schwarzen Gold gefunden hat. In dieser modernen Welt, in der die Musik immer mehr an Wert verliert, sind solche Sachen Luxusgüter. Deshalb werden wir versuchen diese Veröffentlichungen mit hohem Sammelwert zu gestalten.
„Selects“ ist die zweite Serie. Wie es der Name schon sagt, beinhaltet sie Selektionen von Tracks die wir über die letzten Monate gesammelt haben. Hier setzen wir aber komplett auf das digitale Medium. Dadurch besteht kaum Risiko und wir haben eine Spielwiese um uns mit jüngeren Künstlern auszutoben.

Das gemütliche Gespräch findet nach über einer Stunde ihr Ende. Wir schalten die Turntables an und verbringen den Abend beim Mixen.

12167 Total Views 5 Views Today

4 Gedanken zu „DivercityTalk01: Demand Records

  • 15. November 2015 um 11:34
    Permalink

    Eines von einmaligen Sets newcomer aus Bruchsal Nähe Mannheim ??? überzeugt euch selbst der dancefloor brennt jedes Mal aufs neue ?
    https://m.mixcloud.com/dj-freaky-darka/
    Über Support und weitere Auftritte würden wir feiern dnb heads aufgepasst ???(Neuro/Jungle/Darkside)
    Madness&Magic im Namen der Darka Crew

    Auch bei Facebook bei Interesse bei Manuel Hesser (Freaky Darka) oder bei mir unter dem Nick (Lu Ui) bis dann ??✌️

    Antwort
    • 31. März 2016 um 13:58
      Permalink

      It’s always a relief when someone with obvious exrsetipe answers. Thanks!

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.